
Der Waldkindergarten Laubfrosch ist ein Kindergarten „ohne Türen und Wände“: er findet das ganze Jahr über im Freien – genauer: im Wald – statt. Heilbronner Kinder erleben hier spielend ihre unmittelbare Umgebung, lernen Natur und Jahreszeiten intensiv kennen und erfahren den behutsamen Umgang mit jeder Art von Leben. In dieser natürlichen Umgebung kommen alle ihre Sinne zum Einsatz. Kopf, Herz und Hand sind bei der Erschließung ihrer Welt stets angesprochen.
Im Mittelpunkt der Arbeit steht das Kind mit seiner ganz individuellen Persönlichkeit, das andere Kinder kennen lernen darf. Es lernt, mit ihnen in der Gruppe zu leben und mit ihnen umzugehen. Das Zusammenspiel von Menschen, Natur und Kultur findet im Waldkindergarten besonderen Platz. Die Arbeit ist kindorientiert, naturverbunden und lebensbezogen - buddeln, klettern, schmecken, riechen, ausprobieren.....
Die Kindergruppe ist relativ klein. Maximal 15 Mädchen und Jungen werden von zwei pädagogischen Fachkräften betreut. Gemeinsame Entdeckungen, Erlebnisse und Erfahrungen fördern das WIR-Gefühl. Es gibt relativ wenige, einfache Regeln und Gebote, die für die Kinder nachvollziehbar sind.
In der Kleingruppe können sich die Erzieherinnen intensiv um die individuelle Situation jedes Kindes kümmern. Sie begleiten und unterstützen es in seiner Entwicklung zur selbständigen und eigenverantwortlichen Persönlichkeit. Autodidaktische Qualitäten der Mädchen und Jungen werden gezielt gefördert. Bedürfnisse der Kinder wie Zuwendung, Anerkennung, soziale Einbindung in die Gruppe und Beziehungsintensität zueinander können hier leichter erfüllt werden. Die Kinder haben im Wald die Gelegenheit, sich einen großen Teil ihrer kindlichen Bedürfnisse zu erfüllen: Bewegung in vielerlei Form, sie können ihre Kreativität voll entwickeln und ausleben. Dabei werden alle Sinne beansprucht. Das fördert ihre Ausgeglichenheit und kommt der Gesundheit zu Gute. Deshalb können sie sich im Wald rundum wohl fühlen.
Bewegung fördert die Motorik:
Im Wald erleben die Kinder ideale Bedingungen, um ihre Geschicklichkeit auszuprobieren:
kriechen, klettern, springen, matschen, kneten, balancieren - die Motivation der Kinder,
sich ausgiebig und auf sehr unterschiedliche Weise zu bewegen, ist im Freien deutlich größer
als in engen Räumen. Dabei lernen sie ihre körperlichen Fähigkeiten und Grenzen kennen und
entwickeln eine gute Körperwahrnehmung. Natürliche Untergrundstrukturen wirken sich dabei
positiv auf die grobmotorische Geschicklichkeit aus. Äste, Baumwurzeln, Moos, Wald- und
Wiesenwege, Hügel und Mulden fordern und fördern differenzierte, fein koordinierte
Bewegungen. Auch die feinmotorischen Fähigkeiten werden gestärkt: sammeln, schneiden
oder binden von Gräsern oder Blumen. Schnitzen, sägen, feilen – unzählige Möglichkeiten
stehen den Kindern offen.
Aktivität und Kreativität:
Im Waldkindergarten gibt es kein vorgefertigtes Spielzeug. Die Mädchen und Jungen entwickeln
ihre Spielideen ständig neu und ihre Phantasie kennt dabei (fast) keine Grenzen.
Das Naturmaterial, das sie in Hülle und Fülle vorfinden, gibt jede Menge Anregungen.
Für alle Kinder stehen die gleichen Materialien zur Verfügung und so sind Mädchen und
Jungen gleichberechtigte Spielpartner.
Ausgeglichenheit:
Der intensive Aufenthalt im Freien, besonders im Wald, fördert die emotionale
Ausgeglichenheit der Kinder. Da sie die Möglichkeit haben, sich richtig auszutoben,
können sie eventuelle Spannungen auf angemessene Weise abbauen. Dann kann eine entspannte
Atmosphäre entstehen, die wiederum zu wohltuender, intensiver Kommunikation und zu
konzentriertem Spielen und Arbeiten einlädt.
Gesundheit:
Der tägliche fünfstündige Aufenthalt an der frischen Luft stärkt das Immunsystem der
Kinder. Infektionskrankheiten werden im Freien mit geringerer Wahrscheinlichkeit
übertragen als in geschlossenen Räumen. Der Lärmpegel hält sich in Grenzen: die Kinder
können hier Stille erleben, sie dürfen in Ruhe verweilen. Es gibt aber auch genug Raum
zum Toben und um mal laut zu sein.Die wohltuende Atmosphäre des Waldes wirkt sich positiv
auf das seelische und körperliche Befinden der Kinder aus. Hier erleben die Mädchen und
Jungen einen wichtigen Gegenpol zu unserer technisierten, reizüberfluteten Welt.
Die allgemeinen Ziele des Waldkindergartens entsprechen den pädagogischen Hauptinhalten der Kindergartenerziehung:
Ziel der pädagogischen Arbeit im Waldkindergarten ist die Förderung der Entwicklung des Kindes zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit. Im Waldkindergarten Laubfrosch erfolgt die Erziehung in einer altersgemischten Gruppe Eine derartige Gruppenzusammensetzung wirkt sich begünstigend auf die Möglichkeit sozialen Lernens und die Persönlichkeitsentfaltung aus. Soziale Verhaltensweisen wie Hilfsbereitschaft, Kooperation, soziale Einfühlung werden gefördert, Konkurrenzstreben und Leistungsdruck vermindert. Die Förderung erfolgt ganzheitlich, d.h. kognitive, affektive und sensomotorische Fertigkeiten stehen gleichwertig nebeneinander. Vielfältige Handlungs- und Betätigungsalternativen bieten dem Kind die Freiheit, mitzumachen oder nicht. Das Kind kann von sich aus die Reihenfolge von Lernschritten beliebig abändern. Bestimmte Wertorientierungen und weltanschauliche Einstellungen werden den Kindern nach Absprache mit Eltern und Erziehungsberechtigten angeboten.
Unsere Konzeption des Laubfrosch Waldkindergarten Heilbronn e.V. vom 26. Mai 2008 gibt Ihnen einen vertieften Einblick.
Montag bis Freitag von 8.30 Uhr bis 13.30 Uhr. Der Waldkindergarten ist zu jeder Jahreszeit geöffnet.
Im Waldkindergarten werden Kinder vom vollendeten dritten Lebensjahr bis zum Beginn der Schulpflicht aufgenommen. Kinder, die körperlich, geistig oder seelisch behindert sind, können in den Waldkindergarten nur dann aufgenommen werden, wenn ihren besonderen Bedürfnissen Rechnung getragen werden kann.
Jedes Kind muß vor der Aufnahme in den Waldkindergarten ärztlich untersucht werden (U7a). Eine Tetanus-Impfung ist ebenfalls notwendig.Die Bescheinigung über die ärztliche Untersuchung muß bei der Aufnahme vorliegen. Für Infektionen durch Zeckenbiß (Frühsommermeningitis = FSME) besteht derzeit noch keine einheitliche Impfempfehlung. Deshalb empfehlen wir den Eltern, sich durch Haus- und Kinderarzt beraten zu lassen.
Anmeldeformular als PDF-Datei zum download
Die Abmeldung vom Waldkindergarten erfolgt schriftlich mit drei Monaten Kündigungsfrist. Sie muss dem Verein bis zum letzten Werktag des laufenden Monats zugegangen sein. (Beispiel: Die Kündigung trifft am letzten Werktag im Januar beim Verein ein, damit ist der Kindergartenbeitrag noch bis einschließlich Ende April zu bezahlen, der letzte Kindergartentag für das Kind ist dann der letzte Apriltag, an dem Kindergartenbetrieb stattfindet.) Für Schulanfänger ist der Elternbeitrag bis zum Ende des Monats zu bezahlen, in dem die Kindergartensommerferien beginnen.
Vor der Anmeldung in den Waldkindergarten besteht die Möglichkeit für Eltern und Kinder, an einem Vormittag die Einrichtung kennen zu lernen. Der Schnuppertermin kann mit den Erzieherinnen abgesprochen werden.
Die Erziehung im Waldkindergarten ergänzt und unterstützt die Erziehung des Kindes in der Familie. Voraussetzung dafür ist eine vertrauensvolle und intensive Zusammenarbeit zwischen Eltern und Erzieherinnen.
Wichtige Punkte zur Organisation finden Sie hauptsächlich in unserer Kindergartenordnung.
Der Laubfrosch Waldkindergarten Heilbronn e.V. pflegt Kontakte mit:
Es ist 8.15 Uhr morgens. Nach und nach trudeln 15 Kinder mit ihren Mamas oder Papas beim Treffpunkt am Waldrand ein. Jedes Kind wird von den beiden Erzieherinnen herzlich willkommen geheißen und lädt dann seinen Rucksack auf dem Bollerwagen ab. Nachdem sich die Eltern verabschiedet haben, finden sich alle Kinder im Morgenkreis ein. Hier begrüßen sich alle mit einem Lied und besprechen, wie sie den Vormittag gestalten wollen. Nachdem alle Kinder gezählt sind und feststeht, wer fehlt, beginnt der gemeinsame Waldgang. Die Erzieherinnen haben unter anderem Wasser, Handy, einen Erste-Hilfe-Koffer und ein Bestimmungsbuch für Pflanzen und Tiere dabei. Die Gruppe kommt eher langsam voran, da die Kinder überall etwas entdecken und jedes Kind sein eigenes Tempo bestimmt. Die Mädchen und Jungen finden allerlei Dinge, die sie für ihr Spiel benutzen. Es bilden sich kleine Gruppen, die sich nach einiger Zeit wieder auflösen oder neu zusammen setzen. Erstaunlich, wie intensiv die Kinder dabei miteinander sprechen.
Angekommen am zuvor bestimmten Platz, steht heute das Freispiel auf dem Programm. Dies kann beim Bauwagen, aber auch an einem anderen Platz sein. Die Kinder haben jetzt Zeit, mit ihrer Phantasie und Kreativität eigene Spiele zu erfinden. Wenn ein Kind einen Bohrer braucht, um eine Baustelle zu schaffen, findet es bestimmt einen Ast, der dafür tauglich ist. Im „Einkaufsladen“ dient ein umgekippter Baum als Ladentisch. Tannenzapfen, Blätter, Gräser und kleine Zweige werden zu Lebensmitteln. Beim freien Spielen zeigt sich ganz deutlich die Zunahme an Sicherheit und Selbstvertrauen bei den Kindern: wenn sie auf unebenem Waldboden laufen, auf Bäume klettern, an Ästen hängen oder auf umgestürzte Baumstämmen balancieren.
Etwa um elf Uhr ist es Zeit zum Frühstücken. Wenn die Sonne scheint, wählen die Kinder einen Sonnenplatz oder das selbst gebaute Waldsofa, bei starkem Regen oder sehr kaltem Wetter den Bauwagen. Wasser und Seife sind für das Händewaschen vor dem Essen immer dabei. Ein gemeinsames Lied, Hände reichen, und jetzt „guten Appetit“ – mal sehen, was in der Vesperdose ist? Egal ob eng und gemütlich im Bauwagen oder draußen unter freien Himmel – jedes Mal wird das gemeinsame Frühstück zum Genuss aller Sinne.
Im Tagesablauf ist auch oft ein Aktivitätsangebot eingeplant, das die Erzieherinnen für die Kinder vorbereiten. Diese Angebote entsprechen den Interessen und Bedürfnissen der Kinder. Hier können sie z.B.Malen und Gestalten mit Naturmaterialien, bei Märchen und Geschichten zuhören und sie nachspielen, Lieder singen und Musik machen, Kreisspiele oder Naturmeditationen ausprobieren ...
Nach einem Tag voller Aktivitäten und Abenteuer machen sich die Kinder und ihre Erzieherinnen langsam wieder auf den Weg zurück. An verschiedenen festen Treffpunkten warten alle, bis die Gruppe wieder vollzählig ist. Und dann ist schon der Parkplatz in Sicht, an dem die Eltern ihre schmutzigen, aber strahlenden Sprösslinge erwarten. Davor erklingt noch das vertraute Abschiedslied: Tschüss miteinander, tschüss, tschüss, tschüss ...
Für das Freispiel gibt es im Verlauf eines Kindergartentages eine fest eingeplante Zeit. Die Kinder haben dann freie Wahl in Bezug auf Tätigkeit, Material, Spielort, Spielpartner, Verlauf und Dauer. Dieses freie Spielen nimmt einen wichtigen Stellenwert in unserem Waldkindergarten ein. Spielmaterial gibt es in Hülle und Fülle: Aus einem Stück Ast kann ein Kochlöffel, ein Bohrer, ein Ruder, ein Flugzeug, ein Spaghetti,... entstehen. Der Phantasie der Kinder sind keine Grenzen gesetzt. Ob das Kind alleine spielen will oder Kontakt zu anderen aufnehmen, entscheidet es selbst. Die Spielfreude steht im Vordergrund.
Das Kind gestaltet das Spiel spontan nach seinen individuellen Bedürfnissen und aus seiner momentanen Lebenssituation heraus. Themen, die die Kinder beschäftigen, wollen und können sie während der Freispielzeit verarbeiten. Es handelt sich oft um Erlebnisse aus ihrem Alltag, aus ihrer Familie, aus der Tierwelt, die hier nachgespielt werden. Aufgabe der Erzieherinnen ist es, das Spiel der Kinder zu beobachten, um ihnen Anregungen für ihr Weiterspielen geben zu können. Dabei erfordert es ein feines Gespür der Erzieherinnen, ob sie sich einbringen oder zurückhalten. Mit Hilfe der im Wald vorhandenen Materialien und der natürlichen Umgebung gibt es genügend Anreize, damit die Kinder aktiv werden, wirken und etwas bewegen können. Wo es nötig ist, helfen die Erzieherinnen weiter im Sinne von „Hilfe zur Selbsthilfe“.
Der „Kindergartenalltag“ wird bereichert durch wechselnde Projekte und Aktivitätsangebote, die sich nach den momentanen Interessen und Bedürfnissen der Kinder richten. Da die Kinder unterschiedliche Wetterverhältnisse und das Spiel der Jahreszeiten intensiv und direkt erleben, planen die Erzieherinnen ihre Aktivitäten und Spielangebote entsprechend dem Jahreskreislauf.
Eines der Projekte hieß: „Pflanzen, Blumen, Kinder wachsen“. Ausgangspunkt zu diesem Projekt war der Sammeltrieb der Kinder und die Freude über die Vielzahl der Blumen und Pflanzen, die im Frühjahr wachsen.Die Kinder stellten fest, dass nicht nur die Pflanzen, sondern auch sie selbst größer geworden waren. Angeregt durch die in wenigen Wochen entstandene Blumenpracht wuchs die Neugierde der Kinder für die Pflanzen – das Projekt war geboren.